Elbanor - die Suche (Band 2)

Auch der zweite Band spielt in zwei Welten. Nachdem Will und Ulrike aus Elbanor zurückgekehrt sind, ist für sie die Geschichte um Elbanor vorbei. Doch nach über einem Jahr werden sie zurückgeholt. Nach einer Weissagung des geheimnisvollen Gottes von Elbanor sind die Geschwister der Schlüssel dafür, die verschollenen Königssöhne Tewen und Elberlin zu finden. Und wieder trifft Ulrike auf den Drachen.
Elbanor 2 ist im März 2020 erschienen.
(Bild von Hedwig Jasper, Dülmen)

Die Suche

Während der Suche nach ihren Freunden Tewen und Elberlin verschlägt es Will, Ulrike  und ihre Gefährten in ein unwirtliches Land. Doch als sie ihre Freunde schließlich finden, erleben sie eine unliebsame Überraschung.

Die Insel

Auch der zweite Band erzählt in Rückblicken eine Geschichte aus der Vergangenheit. Eine paradiesische Insel im Jahr 3474 v. Chr. Ein junges Paar freut sich auf das Fest zur Sonnensonnenwende und auf eine gemeinsame Zukunft. Doch eine Katastrophe macht alle Planungen zunichte  und löst eine Kettenreaktion aus, durch die sich das Schicksal der jungen Menschen über Jahrtausende hinweg mit Elbanor und den Geschwistern Will und Ulrike verknüpft.

Leseprobe

Ich wachte auf. Mein Blick fiel auf meinen Wecker: sieben Minuten nach drei. Das Herz klopfte mir bis zum Hals. Was hatte mich aufgeweckt? Waren Einbrecher ins Haus eingedrungen? Das würden die sich doch nicht trauen. Jeder wusste, dass mein Vater Polizist war. Ich lauschte in die Dunkelheit – nichts.
Also drehte ich mich auf meine Lieblingsseite und versuchte, weiterzuschlafen. Es gelang mir nicht. Jemand steht nachts im Garten und beobachtet unser Haus, hatte meine Schwester gestern Abend behauptet. War ich durch diesen Satz geweckt worden? Vor dem Schlafen hatte ich noch einen Blick in den Garten geworfen, natürlich war da niemand gewesen.
Nun gut, dachte ich, noch mal nachschauen! Da ist nichts, dann kann ich mich beruhigt wieder ins Bett legen. Ich stand auf, ging zum Fenster und zog die Gardine ein wenig zurück. Im matten Licht der Laterne, die an der schmalen Straße hinter unserem Grundstück stand, sah ich, dass es regnete. Die großen, dichten Tannen an unserer Grundstücksgrenze bewegten sich leicht im Wind. Gerade wollte ich die Gardine wieder zuziehen, als ich ihn bemerkte. Er stand vor den Tannen, blickte mir direkt in die Augen, winkte mir zu.
Der Schreck fuhr mir in die Glieder. Ich atmete tief durch. Was sollte ich tun? Meine Eltern wecken? Ohne Zweifel handelte es sich um den Alten, dem ich damals am Straßenrand begegnet war. Gefährlich war er nicht, eher verwirrt, vielleicht etwas unheimlich. Hatte er sich verlaufen? Wenn ja, musste ich ihm wohl helfen.
Ich stieg in meine Hose, streifte meinen Pullover über und schlich barfuß die Treppe runter. Im Wohnzimmer zog ich die Rollläden vor der Terrassentür ganz langsam hoch, fast geräuschlos, schlüpfte in die Gartenschuhe meiner Mutter und schlich über den Rasen auf die große, gebeugte Gestalt zu. Kaum hatte ich den Alten erreicht, streckte er die Hand aus und knurrte: „Gib sie zurück!“
„Was, was wollen Sie?“, stotterte ich überrascht.
„Tu nicht so, als wüsstest du nicht, wovon ich rede“, fuhr er mich mit einer Stimme an, die mir durch Mark und Bein ging. Sie passte ganz und gar nicht zu seinem klapprigen Äußeren.
Ich griff in meine Hosentasche und spürte die Münze, die mir in Elbanor mehrmals das Leben gerettet hatte. „Die haben Sie mir geschenkt“, antwortete ich trotzig. „Ich gebe sie nicht her.“


Elbanor - die Bestimmung (Band 3)


 
„Der Eine Gott“, keuchte Hadburga, „er zürnt.“
„Das ist“, erklärte Dietrich mit ruhiger Stimme, „ein Naturereignis. Wir nennen es Vulkanausbruch.

Die Geschwister Will und Ulrike kehren nach Elbanor zurück, um ihre Freunde im Kampf um den Thron des kleinen Königsreichs zu unterstützen. Sie geraten in eine Welt, die durch Naturkatastrophen, Krieg und das Auftauchen von Ungeheuern bedroht ist. Die Weissagung der Ragnarök aus der germanischen Göttersage scheint sich zu bewahrheiten.
Nun liegt es an Will, dem Träger des Schwertes der Macht, den Untergang von Elbanor zu verhindern. Doch Will fühlt sich überfordert. Erst als er sich Auge in Auge mit der Midgardschlange wiederfindet, spürt er die Kraft, die in ihm herangewachsen ist. Der Preis für seine ungeheure Stärke ist allerdings hoch. Ein Krieger, der sich Thor nennt, übernimmt zunehmend die Kontrolle über seine Persönlichkeit. Will ist nahe daran, sich selbst und auch seine Freundin Hadburga zu verlieren.

„Was ist mit dir los?“, kam sie direkt zur Sache. „Du kommst mir vor wie ein Fremder.“
„Was?“, entfuhr es mir, „ich, ein Fremder? Du bist es doch, die sich völlig kalt mir gegenüber verhält.“
Hadburga schüttelte heftig den Kopf. „Nein, das stimmt nicht, Will. Du strahlst etwas aus, irgendetwas …, ich weiß nicht, ich kann das nicht beschreiben.“




Ich stand hinter einem Baum, beobachtete den Jungen. Mit herabgesunkenen Schultern saß er auf der Bank, schaute immer wieder auf seine Uhr, als könnte er gar nicht erwarten, dass der Bus endlich käme. Ich wusste, wer diese Jammergestalt war. Er hieß Wilfried Bergner, wurde Will genannt. Ich spürte, wie die Wut in mir hochstieg. Auf meiner Hassskala stand dieser Nowhere Man an zweiter Stelle. Während ich energisch auf ihn zuschritt, fasste meine Hand den Schwertgriff. In diesem Moment kam der Bus.