Elbanor - das Erwachen

 Will und seine ältere Schwester Ulrike verschlägt es im Jahr 1964 in die Parallelwelt Elbanor. Dort erkennen sie, dass ihr Schicksal nicht nur mit den Nibelungen aus der Sage, sondern auch mit Ereignissen aus dem Dritten Reich verbunden ist.
(erschienen Februar 2019 im Kelebek-Verlag)

spannend - vielschichtig - überraschend

Ereignisse aus der Zeit der Nibelungen und ein Auftrag, den Himmler, Leiter der SS, einem jungen SS-Offizier gibt, haben Auswirkungen auf das Schicksal der Geschwister Will und Ulrike.

Und im Hintergrund zieht ein Mann mit übernatürlichen Kräften die Fäden.
Aber mit einem hat  auch er nicht gerechnet:

mit dem Erwachen des Drachen


Leseprobe

In diesem Moment trat Elberlin aus dem Dickicht. Wahrscheinlich hatte er uns mit seinen feinen Ohren schon von Weitem gehört.
„Seid gegrüßt, Ulrike, ich freue mich, dass Euer Bruder Euch überzeugen konnte, zu kommen.“
Überrascht musterte meine Schwester ihn. Zunächst war sie sprachlos. Das kam selten vor. Aber dann fiel ihr Blick auf das Messer und das Schwert.
„Ich wusste es.“ Ihre Stimme klang schrill. „Du bist ja verrückt, dich mit so einem Typen einzulassen. Du kommst jetzt sofort mit nach Hause!“ Sie zerrte an meinem Arm.
„Wartet noch einen Augenblick, Ulrike“, ertönte die tiefe, angenehme Stimme von Tewen, der soeben aus dem Wald getreten war.
Verdutzt ließ Ulrike mich los, blickte sich um und – sah ihn.
Freundlich und offen schaute Tewen ihr ins Gesicht. „Ich würde mich sehr freuen, wenn Ihr Euch kurz die Zeit nähmet, unser Anliegen anzuhören. Danach könnt Ihr immer noch entscheiden, ob Ihr uns behilflich sein wollt oder Eures Weges geht.“
„Wer bist du?“, fragte sie.
„Entschuldigt bitte meine Unhöflichkeit, Ulrike.“ Tewen verbeugte sich. „Mein Namen ist Tewen. Dies ist Elberlin, mein Bruder. Wir sind die Söhne des Königs von Elbanor. Unser Vater hat uns geschickt, um etwas zurückzuholen, das uns gehört. Und dafür benötigen wir Eure und Eures Bruders Hilfe.“
Jetzt, dachte ich, ist der Moment gekommen, wo Ulrike endgültig nein sagt und dann: Schluss mit der ganzen Geschichte. Ich konnte nichts dafür, ich hatte mein Bestes gegeben.
Doch zu meinem Erstaunen erwiderte Ulrike, während ihre Augen an Tewen klebten: „Um was geht es?“
Mit wenigen ausgewählten Worten erzählte Tewen die ganze Geschichte.
Als er geendet hatte, fragte Ulrike mich: „Und du warst dort?“
Ich nickte. Wann würde sie endlich Schluss machen? Ich schaute auf die Uhr: siebenundvierzig Minuten nach sechs. Wenn sie sich beeilte, konnte sie ihren Bus noch kriegen.
„Beweise mir, dass ihr wirklich aus Elbanor kommt!“
Tewen und Elberlin schauten sich kurz an. Dann nickte Tewen. „Ich werde Euch einen Beweis geben. Bitte kommt mit zum Steinernen Tor!“
Tu‘s nicht, wollte ich rufen, doch ich schwieg. Schließlich hatte ich versprochen, Ulrike zu überzeugen. Verdammt, wieso hatte Tewen nur so eine Ausstrahlung?
Zögernd folgte Ulrike Tewen in den Wald. Elberlin und ich warteten. Zwanzig Minuten später kamen die beiden zurück. Meine Schwester sah bleich und ernst aus. „Ich werde euch helfen“, versprach sie.
Elberlin verbeugte sich vor ihr. „Wir sind dir sehr dankbar.“
Ich war ihr nicht dankbar. Jegliche Hoffnung, aus der Sache rauszukommen, war nun dahin. Ich hatte Ulrike völlig falsch eingeschätzt. Was war denn bloß in meine Schwester gefahren, sich auf eine solch verrückte Mission einzulassen? Ich konnte es einfach nicht fassen. Jetzt hing ich mit drin, und Ulrike auch.